Schlafstörungen, Stress, Aggressionen

Fachartikel von Robert Riedl

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Doch schon jeder Vierte soll an Schlafproblemen leiden – dazu gehören beispielsweise: zu wenig Schlaf, zu viel Schlaf, Schlaf zur falschen Zeit oder Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen (das Einschlafen braucht länger als 30 Minuten und das seit einem Monat).

Schlaflose Nächte wirken sich nicht nur auf das Wohlbefinden aus. Wer sich über einen längeren Zeitraum nicht erholen kann, ist gesundheitlich bedroht: der Körper leidet unter Dauerstress und verliert an Immunstärke; Krankheiten können viel leichter auftreten (wie Gürtelrose, Asthma oder Rheuma). Schlafstörungen können körperliche Ursachen haben. Bei etwa 85 Prozent der Betroffenen ist die Störung des Schlafes jedoch Folge eines seelischen Leidens (wie Burnout, Depressionen, Angststörungen). Auch Zukunftssorgen oder unbewältigte Konflikte, Schuld- oder Hassgefühle, Albträume oder belastende Stresssituationen können zu Problemen beim Schlafen führen. Es gibt keine "normale Schlafdauer" oder ein allgemeingültiges Schlafsoll. Schließlich ist das Bedürfnis nach Schlaf je nach Person, Alter aber auch Schlafgewohnheiten individuell unterschiedlich. - Als Richtwert kann eine Schlafdauer von sieben Stunden gelten.

Gemeinsam mit dem Psychotherapeuten werden zuerst die Gründe für eine Schlafstörung untersucht. Da etwa 100 verschiedene Schlafstörungen bekannt sind, ist eine genaue Abklärung wichtig, um die richtigen psychotherapeutischen Maßnahmen treffen zu können. Dazu kommen Maßnahmen zur sogenannten Schlafhygiene ("Regeln für ein gutes Zu-Bett-Gehen") und für die Schlafarchitektur ("Regeln für gute Schlafphasen"):

  • möglichst geregelte Schlafzeiten
  • nach Möglichkeit nur bei Müdigkeit zu Bett gehen
  • ein ruhiger, abgedunkelter, kühler (15-18 °C) Schlafraum
  • ein angenehmes Zu-Bett-Geh-Ritual (wie ein "Tagebuch der guten Dinge": kurz aufschreiben, was einem heute gut gelungen ist)
  • Reduzierung von schlafstörenden Faktoren, wie langes Aufbleiben oder anregende Genussmittel (Kaffee, Schwarztee, Energie-Drinks, Alkohol) in den späteren Nachmittagsstunden sowie spätabendliches Essen vermeiden

Manche Menschen leiden unter unkontrollierbaren Aggressionen. Vor allem Männer kämpfen gegen ein erlerntes, erhöhtes Aggressionspotenzial an. Therapeutisch wird hier versucht, MIT dem Aggressionspotenzial zu arbeiten! Denn: Aggressionen sind ein vitaler, lebensbejahender, wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. In der Aggression liegt an sich eine sehr produktive Kraft, die uns an- und vorantreibt. Aggressionen können aber auch leidvoll erlebt werden, da sie eher unproduktive und destruktive Kräfte entfalten. Wer öter unkontrolliert aufbrauchst, kann seinen persönlichen Zielen ud sich selbst im Weg stehen. So könnten Aggressionen sogar zu Depressionen werden: Aggressionen, die sich gegen einem selber richten.

Hinter Aggressionen können verschiedenste Affekte, Emotionen, Gefühle liegen: wie Ärger, Wut, Kummer, Angst, Scham, ... Das eigene Aggressionspotenzial ist auch abhängig von der persönlichen Frustrationstoleranz. Psychotherapeutisch wird hier an der Stärkung von Selbstakzeptanz und Selbstwert gearbeitet.

Für Personen, die vermehrt verbal aggressiv reagieren, kann es hilfreich sein, den psychotherapeutischen Fokus auf das „Kommunikationsspiel: Diskussion" zu legen. In Diskussionen stehen Argumentationen gegen Gegenargumente. Da kann es schon mal aggressiver zugehen... In der sogenannten Debatte ist verbale Aggression oder sprachliche Gewalt sogar höchst erwünscht: Abwertungen des anderen Standpunktes (vor allem in der Politik an der Tagesordnung). Die Frage wäre hier für den Therapeuten: wie kann der Klient während Diskussionen innerlich eher in eine dialogische kommunikative Ausdrucksform kommen? - Denn innere Aggressionen weichen automatisch Gefühlen von Neugierde und Interesse, wie sie im Dialog großgeschrieben sind.



Selbsttest "Schlafstörung"

Video-Information: Stress und Schlafstörungen

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