Schmerzen, Psychosomatik

Fachartikel von Robert Riedl

Etwa 1,5 Millionen Österreicher leiden an chronischen Schmerzen. Davon sind etwa 500.000 Patienten von einer sogenannten somatoformen Schmerzstörung betroffen – besser bekannt unter dem Begriff "psychosomatische Schmerzen": Menschen, die aufgrund von körperlichen Beschwerden einen Arzt aufsuchen müssen, ohne dass eine Ursache für ihr Leiden gefunden werden kann.

Personen mit psychosomatischen Störungen fühlen sich oft nicht ernst genommen: schließlich haben sie ernsthafte Schmerzen, obwohl sie vom Facharzt für medizinisch gesund erklärt werden und alle organischen Befunde keine ausreichende Erklärung dafür bieten. Das Ausmaß des Leides ist dabei von Person zu Person verschieden. Entscheidend ist wie sehr man auf die unangenehmen Gefühle des Schmerzes fokussiert. Oft vermeiden Betroffene im Alltag sämtliche Verhaltensweisen, die Schmerzen auslösen oder anfachen könnten. Andere wiederum scheinen mit dem Schmerz umgehen zu können, ohne sich im Leben einschränken zu müssen.

Psychotherapie ist ein wichtiger Bestandteil im Behandlungskonzept bei Schmerzpatienten. Es geht dabei nicht darum Schmerzen zu eliminieren, vielmehr soll ein bessere Umgang mit dem Leid gefunden werden. Schließlich gibt es keinen "objektiven Schmerz", sondern nur subjektives Leid angesichts chronischer Schmerzen. - Schmerz muss nicht notwendig Leid mit sich bringen, wenn gelernt wird das Ausmaß des Leides selbst zu beeinflussen. Dabei unterstützen Techniken der psychotherapeutischen Achtsamkeitspraxis. Gemeinsam mit dem Therapeuten wird versucht eine möglichst loslassende, gleichmütige und gelassene Sichtweise zu entwickeln. Stark vereinfacht: man registriert zwar den eigenen Schmerz, entscheidet aber bewusst nicht automatisch darauf zu reagieren. Stattdessen konzentriert man sich auf den eigenen Atem oder einen imaginären Ort. So kann man sich gedanklich mehr und mehr vom Schmerz trennen: man erkennt, dass man zwar Schmerzen hat, dass man als Person jedoch nicht der Schmerz ist.

Ein Psychotherapeut ermöglicht Klienten mit somatoformen Erkrankungen aber auch solchen mit Befund, die Aufmerksamkeit weg vom Schmerz zu lenken und das "unbewusste Schmerzgedächtnis" gezielt umzuprogrammieren (z. B. durch hypnotherapeutische Übungen). Auch eine behutsame Auseinandersetzung mit persönlichen Trauma-Erfahrungen kann dabei förderlich sein.



Video-Information: "Schmerz und Psychosomatik"

 
 
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