LEBENSKRISEN, VERLUSTE, BELASTUNGEN (psychisch oder sozial)

Fachartikel von Robert Riedl

Krisen sind ein unvermeidbarer Bestandteil unseres Lebens. Dabei ist es völlig normal, dass wir uns überfordert und hilflos fühlen. "Für ihn war es bloß ein Anruf, für mich eine Katastrophe", schrieb etwa die österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann nach einer Trennung. Wie Menschen mit Verlusten und Lebenskrisen umgehen und diese bewältigen, scheint so vielfältig wie das Leben selbst.

Trennungen, Todesfälle, Kündigungen oder schwere Unfälle sowie Krankheiten stellen unerwartete Wendepunkte in der Lebensplanung dar. Eine Vielzahl von heftigen Emotionen können auftreten: Empfindungen der Trauer und Niedergeschlagenheit, das Gefühl versagt zu haben und gescheitert zu sein, im eigenen Leben fehl am Platz zu sein oder sich über schöne Momente nicht mehr freuen zu können. Es können sich Schuldgefühle breit machen - sogar das quälende Gefühl, dass einem alles zu Recht geschieht oder dass eine Psychotherapie das Eingeständnis individueller Schwäche wäre. Viele denken man müsse eine persönliche Krise mit sich selber ausmachen, schließlich hätten auch andere ähnliche oder schlimmere Situationen allein gemeistert... Wenn jedoch negative Emotionen chronisch werden und therapeutisch unbearbeitet bleiben, können körperliche Symptome oder Schlafstörungen hinzukommen - oder Zukunftsängste bis hin zu Panikattacken! 

Lebenskrisen machen eine Neuorientierung notwendig. Diese kann z. B. darin bestehen zu lernen Hilfe und Unterstützung anzunehmen und sich zu erlauben auf andere angewiesen zu sein. Besonders in Krisen wird das Zusammenleben von Menschen gefestigt, und wer eine Krise meistert, wird daraus persönlich gestärkt hervorgehen. Jedoch scheinen der berufliche und schulische Leistungsdruck, neue Anforderungen ans Zusammenleben und globale Krisen (wie z. B. Flüchtlingsströme) zuzunehmen. Angesichts gesellschaftlicher Unsicherheiten werden persönliche Umbrüche oft belastender erlebt: Jobwechsel, Arbeitslosigkeit, Konkurse, Überschuldung, Unfälle, Krankheiten, Trennungen, Scheidung oder Todesfälle sind dadurch noch schwieriger zu bewältigen.

Ein Psychotherapeut begleitet durch persönliche und gesellschaftliche Krisenzeiten, indem er Betroffene in Kontakt mit ihren Ressourcen und Möglichkeiten bringt. Psychotherapie hilft neue Antworten zu finden, Prioritäten neu zu ordnen und das "neue Leben" zu schätzen.



Video-Information: Phasen der Trauer nach dem Verlust einer geliebten Person


Kostenlose Krisennotrufnummern: Hilfe in Lebenskrisen von 0–24.00 Uhr


 
 
Zum Seitenanfang