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Online-Therapien: Ist Psychotherapie übers Internet möglich?

Fachartikel von Robert Riedl

Eine Psychotherapie für Zuhause bzw. via Internet klingt vielversprechend: keinerlei Wartezeiten, keine Anfahrtswege zum Therapeuten, jederzeit verfügbar bzw. keine Abhängigkeit von Terminen, zu jedem beliebigen Zeitpunkt wiederholbar oder viel weniger Kosten. Doch ist ein Lösen eigener Probleme mittels Mausklick realisierbar?

Das Angebot von Online-Therapie oder Diensten im Internet, die therapeutische Wirkungen versprechen, wird größer und größer: so gibt es neben persönlicher Online-Beratung mittels Skype, Chat oder Email auch virtuelle Berater, Videos, Apps, Programme, Internet-Portale oder eLearning-Kurse, die therapeutische Unterstützung bieten können.

Tatsächlich belegen Studien, dass seriöse Online-Angebote nicht nur zeitgemäße und innovative therapeutische Möglichkeiten darstellen, sondern Betroffenen auch signifikant helfen können. So lassen sich mit neuen technischen und digitalen Beratungsmedien etwa ein besserer Umgang mit Depressionen oder Angststörungen erlernen. Bestimmte psychische Problemstellungen lassen sich damit – neben persönlicher "Face-to-Face"-Psychotherapie – auch mit Online-Therapien gut behandeln. Bei komplexeren Problematiken oder schwereren seelischen Erkrankungen gibt es natürlich Grenzen, sodass das klassische Setting bei einem Psychotherapeuten bzw. konventionelle Sprechzimmer-Psychotherapien dafür weiterhin die beste Behandlungsform darstellen werden.

Übrigens dürfen therapeutische Online-Angebote in Österreich weder als "Psychotherapie" benannt werden noch können sie mit der Krankenkasse abgerechnet werden. Die Internet-Richtlinie für Psychotherapeuten des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz verweist darauf, "dass derzeit keine Psychotherapie via Internet im Sinne eines wissenschaftlich begründeten und evaluierten Vorgehens existiert". So ist es Psychotherapeuten, die in der Psychotherapeutenliste des österreichischen Bundesministeriums eingetragen sind, gesetzlich nicht erlaubt, Online-Psychotherapien anzubieten; jeder kann jedoch Online-Beratung oder eine sogenannte Therapie anbieten, da der Begriff "Therapie" – im Gegensatz zu "Psychotherapie" – kein gesetzlich formulierter Begriff ist.

Man sollte Online-Therapieangebote, die ernsthafte Qualitätskriterien aufweisen, nicht gegen eine konventionelle Psychotherapie auszuspielen versuchen. Das Internet, die digitalen Medien oder virtuelle Räume bieten durchaus innovative Therapieansätze, sofern ihre Anbieter und Entwickler über eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung verfügen und ihre Angebote – neben transparenter Information hinsichtlich Dauer der Behandlung, Finanzierung, jederzeiter Kündbarkeit und gesetzlichen Standards hinsichtlich Datenschutz und Verschwiegenheit – auch in ihrer Wirksamkeit nachweisbare Erfolge erzielen.

Eine wissenschaftliche Studie der Donau-Universität Krems und Universitäten aus Deutschland, Schweiz und England untersuchte die Effekte von internetbasierten psychotherapeutischen Programmen für Depressionen. Insgesamt wurden über 1000 Personen mit leichten bis moderaten depressiven Symptomen über eine Dauer von einem Jahr untersucht, wobei Menschen mit depressiven Symptomen, die zusätzlich soziale Angst haben, davon am meisten profitieren konnten: "Diese Ergebnisse zeigen", so der Thomas Probst, "dass Zugang zu internetbasierten psychotherapeutischen Interventionen bei bestimmten Personen die depressiven Symptomverläufe positiv beeinflusst. Der zielgerichtete Einsatz dieser Programme könnte existierende Behandlungsformen nach einer qualifizierten Depressions-Diagnose durch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder Ärztinnen und Ärzte ergänzen und somit Betroffenen helfen."



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