Depressionen, Burnout, Erschöpfungszustände

Fachartikel von Robert Riedl

Laut einer Prognose der WHO wird die Depression (lateinisch: "Niedergedrücktheit") in wenigen Jahren die zweithäufigste Erkrankung der Welt sein. In Österreich sind Depressionen inzwischen die häufigste seelische Ursache für Krankenstände. Bereits in jeder zweiten Firma soll es Mitarbeiter geben, die vom Arbeitsalltag überfordert sind, sich ausgebrannt und dauernd erschöpft fühlen.

Man spricht dabei von der sogenannten Erschöpfungsdepression, im fortgeschrittenen Stadium auch "Burnout" genannt. Aber: nur wer für etwas brennt, kann ausbrennen. Dabei gibt es wenig Unterschiede zwischen einem Manager oder einer alleinerziehenden Mutter: man hat alles gegeben und ist an die eigenen Grenzen gekommen! Einige, die an Burnout, Erschöpfungszuständen oder depressiven Zuständen leiden, können die täglichen Anforderungen nur noch mit Aufputschmitteln (z. B. durch übermäßigen Konsum von Kaffee, Energydrinks, Alkohol) oder der Einnahme von Schlafmitteln und Beruhigungspillen bewältigen. Kennzeichnend für ein Burnout und Depressionen sind vor allem der Verlust von Lebensfreude, Interessenlosigkeit und weniger Leistungsfähigkeit. Man wird zunehmend von einem Gefühl der Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und Leere beherrscht.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, liegt bei etwa 15 Prozent. Jedoch können sich depressive Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich bemerkbar machen: während Frauen eher über Antriebslosigkeit und Müdigkeit klagen, brausen Männer eher auf oder verhalten sich aggressiv. Statistisch gesehen leiden Männer zwar seltener unter Depessionen (Frauen werden doppelt so häufig als depressiv diagnostiziert als Männer), die Suizidrate unter ihnen ist aber dreimal so hoch. Selbstmord kann als etremste Form einer Aggression gegen sich selbst gesehen werden. Überspitzt könnte man für unsere Leistungsgesellschaft feststellen: Männer wirken weniger depressiv – sie bringen sich höchstens um!

Häufig können Menschen mit depressiven Verstimmungen nicht mehr gut schlafen. Psychischer Leidensdruck aktiviert nämlich Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol, die wichtige Schlafhormone blockieren können. Körperliche Beschwerden kommen oft hinzu: wie Nackenverspannungen oder Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen. Auch belastende Lebensereignisse können Depressionen auslösen, wie ein schwerer Unfall oder der Tod einer nahestehenden Person. Außerdem kann es organische Ursachen geben (z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion) oder eine genetische Veranlagung (Hinweise dafür sind z. B. Suizide in der Herkunftsfamilie).

Depression zeigt sich durch eines oder mehrere folgender Symptome:
1. Depressive Verstimmungen (Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Leeregefühl, Lustlosigkeit)
2. Vermindertes Interesse und Freudlosigkeit
3. Verminderter Antrieb bzw. gesteigerte Ermüdbarkeit
4. Psychomotorische Hemmung (wie versteinert sein)
5. Herabgesetztes Selbstwertgefühl
6. Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle
7. Herabgesetzte Denk- und Konzentrationsfähigkeit
8. Schlafstörungen
9. Appetit- und Gewichtsverlust
10. Suizidgedanken oder -versuche

Bei depressiven Leidenszuständen kommt es oft zu einer Verringerung des eigenen Selbstwerts bzw. des Wertes, den man sich selbst im Vergleich zu anderen beimisst. Fachlich versteht man unter dem Begriff "Selbstwert" eine individuelle Bewertung der eigenen Person. Wir bewerten dabei eigene Fähigkeiten, individuelle Stärken und Schwächen, persönliche Erfolge und Misserfolge. Ein instabiles Selbstwertgefühl wirkt sich auf viele unserer täglichen Aktivitäten aus. Es bestimmt etwa, was wir sagen, wie wir uns verhalten oder wofür wir uns anstrengen.

Depressionen belasten nicht nur Betroffene, sondern auch Beziehungen und Familien. Insbesondere Kinder von depressiven Eltern leiden. Partnerschaften und Freundschaften können sogar in die Brüche gehen, weil sich die Angehörigen hilflos oder zurückgestoßen fühlen. Es kann zu unlösbaren Spannungen, Konfliken oder vermehrten Alkoholkonsum kommen – ein Teufelskreislauf: mehr und mehr ist man durch die depressive Dynamik überzeugt, nutzlos, wertlos und allein gelassen zu sein. Man fühlt sich schuldig, klagt sich für die eigene Situation an und sorgt sich, alles zu verlieren. In einer fortgeschrittenen depressiven Phase ist kaum mehr möglich, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dabei lassen sich Burnout und Depressionen sehr gut psychotherapeutisch behandeln. Da depressive Erkrankungen zu Veränderungen im körpereigenen Hormonhaushalt führen können, könnte auch eine zusätzliche medikamentöse Unterstützung (z. B. durch Antidepressiva) sinnvoll sein – etwa um depressionsabhängige Schlafstörungen rascher in den Griff zu bekommen.

Bei der sogenannten bipolaren Depression wechseln sich hochmotivierte und depressive Episoden ab. Deshalb spricht man von manisch-depressiven Störungen. Da Betroffene eher in einer depressiven Phase einen Psychotherapeuten, Psychologen oder Arzt aufsuchen, wird zunächst oft eine einfache Depression diagnostiziert. Eine Manie ist jedoch das Gegenteil einer Depression: typische Merkmale sind Hochgefühle, Hyperaktivität und Hemmungslosigkeit (z. B. im Alkoholkonsum oder bei Einkäufen). Medikamentös werden hier Stimmungsstabilisierer wie Lithium aber auch Neuroleptika eingesetzt.

In der Psychotherapie wird etwa mit selbsthypnotischen Imaginationen gearbeitet, um zu lernen die depressive Dynamik aus Gefühlen, Gedanken und körperlichen Beschwerden zu durchbrechen. Eigene Ressourcen werden genützt, um die "helle Seite" der Seele zu stärken und die "düstere Seite" zu schwächen: Hoffnung und Zuversicht sollen wieder erlebbar werden. Geschehenes, Lebenswünsche und Zukunftsvorstellungen werden in der Therapie neu bewertet. Klienten lernen, wie man Signale einer bevorstehenden Depression frühzeitig erkennen kann, um bewusst entgegenzusteuern. Die Therapie achtet auch auf eine bewusste Gestaltung von hilfreichen Beziehungen – vor allem in depressiven Phasen.



Selbsttest "Depression"

Selbsttest "Burnout"

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Video-Information "Habe ich ein Burnout?"


Video-Information zu Depressionen (ca. 5 Minuten)

Video-Information: Symptome bei Depression (ca. 10 Min.)

Video-Information: Anzeichen für Suizid (ca. 10 Min.)

Film-Dokumentation: Depression (1:30 Stunden)

Video-Vortrag zu Depression (ca. 1:30 Stunden)


Video-Information zu Burnout (ca. 10 Minuten)

Video-Information: Phasen des Burnouts (ca. 5 Minuten)

Film-Dokumentation: Burnout (ca. 50 Minuten)


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